Wenige Dinge lassen die Hände eines Schülers so erstarren wie die Worte „zwei gegen drei". Sobald ein Chopin-Nocturne oder ein Brahms-Intermezzo von einer Hand Triolen verlangt, während die andere gleichmäßige Achtel hält, entscheiden viele Spieler auf der Stelle, dass Polyrhythmen eine Gabe sind, die anderen vorbehalten ist. Das sind sie nicht. Ein Polyrhythmus ist eine Koordinationsfähigkeit wie jede andere, und nach meiner Erfahrung gibt er einer strukturierten Methode schneller nach als fast jedes andere technische Problem – vorausgesetzt, man baut ihn in der richtigen Reihenfolge auf. Hier ist die Abfolge, die ich mit meinen Schülern in Zürich verwende.

Schritt eins: den Gesamtrhythmus hören, bevor Sie ihn spielen

Der größte Fehler bei Polyrhythmen ist, am Klavier anzufangen. Bevor die Finger ins Spiel kommen, muss Ihr Ohr wissen, wie die beiden Schichten zusammen klingen – der sogenannte zusammengesetzte Rhythmus. Bei zwei gegen drei lautet das kombinierte Muster innerhalb eines Schlags: beide Hände zusammen, dann drei schnelle Ereignisse im Abstand lang-kurz-kurz. Vielen Schülern hilft ein gesprochener Satz als Gedächtnisstütze – etwas mit der richtigen Silbenverteilung, laut gesprochen beim Klopfen. Klopfen Sie abseits des Klaviers die Dreierschicht mit einer Hand aufs Knie und die Zweierschicht mit der anderen, langsam, bis sich das kombinierte Muster nicht mehr wie zwei kämpfende Rhythmen anfühlt, sondern wie ein einziger, leicht hinkender Groove. Dieser Wahrnehmungswechsel – von „zwei Dingen gleichzeitig" zu „einer zusammengesetzten Gestalt" – ist der eigentliche Durchbruch, und er kostet Sie technisch nichts.

Schritt zwei: die Arithmetik einmal machen, dann loslassen

Es hilft, das Raster genau ein einziges Mal zu verstehen. Teilen Sie jeden Schlag in sechs kleine Einheiten: Die Triolennoten fallen auf die Einheiten eins, drei und fünf; die Duolennoten auf eins und vier. Zählen Sie sehr langsam „1-2-3-4-5-6" und setzen Sie jeden Schlag dorthin, wo er hingehört. Tun Sie das ein paar Minuten, bis die Logik offensichtlich ist – und hören Sie dann bewusst auf, in Sechsern zu zählen. Das Raster ist ein Gerüst, nicht das Gebäude. Wer beim Spielen weiter Positionen berechnet, wird immer steif und mechanisch klingen, weil er Arithmetik aufführt statt Rhythmus. Das Ziel von Schritt zwei ist nur, Ihr Gehirn davon zu überzeugen, dass das Muster exakt und erlernbar ist; gespielt wird aus dem Gefühl, das Sie in Schritt eins aufgebaut haben.

Schritt drei: am Klavier in Schichten aufbauen

Übertragen Sie es nun auf das Instrument, weiterhin in Schichten. Spielen Sie zunächst jede Hand allein, im Tempo, bis jede Stimme so automatisch läuft, dass Sie dabei sprechen könnten. Wählen Sie dann eine Hand als Anker – meist die mit der einfacheren Stimme – und behandeln Sie sie wie einen Ostinato: Sie darf sich nicht biegen, genau so, wie eine stabile linke Hand das Rubato der rechten verankert. Nehmen Sie die andere Hand in sehr langsamem Tempo dazu und wiederholen Sie einen einzelnen Schlag oder einen einzelnen Takt viele Male in einer Schleife, statt durch das Stück zu drängen. Langsames Schleifenüben ist hier wichtiger als alles andere: In langsamem Tempo kann Ihr Ohr jedes Zusammentreffen und jede Lücke prüfen, und das korrekte Muster wird genau statt ungefähr abgespeichert. Geschwindigkeit ist die allerletzte Zutat – und sie stellt sich fast von selbst ein, sobald die Schleife sauber ist.

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Schritt vier: aus Koordination Musik machen

Ein Polyrhythmus, der nur korrekt ist, ist noch nicht fertig. Im Repertoire bedeutet zwei gegen drei fast immer zwei unabhängige musikalische Linien – typischerweise eine singende Melodie über einer fließenden Begleitung –, und jede verdient ihre eigene Gestalt. Sobald die Koordination sicher sitzt, üben Sie, den Händen unterschiedliche Dynamik zu geben: die Melodie tragend, die Begleitung darunter. Dann unterschiedliche Artikulation, dann unabhängige Phrasierung. In dem Moment, in dem die beiden Schichten aufhören, einander zu gleichen, geschieht etwas Wunderbares: Der Hörer hört keine Rhythmusübung mehr, sondern zwei Stimmen im Gespräch. Dieselbe Methode trägt bis zu drei gegen vier und darüber hinaus – das Raster wird feiner, aber die Reihenfolge der Schritte ändert sich nie: erst das Ohr, die Arithmetik einmal, Schichten am Klavier, dann Musik.

Polyrhythmen belohnen Geduld auf eine Weise, die fast unfair wirkt: zehn konzentrierte Minuten täglich, in dieser Reihenfolge, und die meisten Schüler spielen innerhalb von ein bis zwei Wochen ein sauberes Zwei-gegen-drei – oft nach Monaten des Ausweichens. Unter allem muss eines unverhandelbar bleiben: der gemeinsame Puls, an dem beide Schichten hängen. Halten Sie diesen Puls lebendig und großzügig, und der Polyrhythmus hört auf, ein Trick zum Überstehen zu sein, und wird zu dem, was der Komponist gemeint hat – zwei Linien, die zusammen atmen.

Hängen Sie an einem Polyrhythmus in Ihrem Stück fest?

Koordinationsprobleme lassen sich viel schneller entwirren, wenn ein Lehrer neben Ihnen am Klavier sitzt. Wenn Sie in Zürich sind, arbeite ich das gerne mit Ihnen durch – bringen Sie das Stück mit, das Ihnen Mühe macht.

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